Gebetswoche für die Einheit der Christen ist grad angesagt, und nicht nur in dieser Hinsicht ging es in den letzten (fast) zwei Monaten heftig auf und ab mit der Ökumene in unserem Studienjahr.
Für alle, denen der Begriff vll unbekannt ist: Ökumene bezeichnet die christliche Bewegung, die verschiedenen Kirchen und Konfessionen wieder näher zusammenzuführen will, um historische Trennungen zu überwinden.
Bevor ich aber anfange, muss ich noch einen Nachtrag machen: Zum Thema Gotik hatte ich ausgerechnet die einzige wirklich gotische Kirche von Rom vergessen: Santa Maria sopra Minerva. Doch dazu später.
Zunächst war ja erstmal Advent angesagt und verschiedene Feiern bei Erasmus-Leuten oder im Centro Melantone. Außerdem hatte ich überhaupt endlich erstmal wieder Internet zuhause, da ich sonst immer im Café hockte. Schließlich verabschiedeten sich die meisten Leutchen dann nach und nach in die Weihnachtsferien. Kurz zuvor hatten wir aber noch unsere letzte Ökumene-Kreis-Sitzung des Jahres 2013. Vielleicht erstmal etwas zu den katholischen Studentengruppen in diesem Zusammenhang. Und zwar gibt es zwei "Sorten" von katholischen Studenten hier: einmal die Leute vom Germanicum, die als Priesterkandidaten von ihren Diözesen hergeschickt wurden und für mehrere Jahre hier studieren, zum andern die "Freisemester", die aus eigener Entscheidung heraus, wie der Name sagt, für ein Semester hier studieren. Passend dazu haben wir zwei Ökumene-Veranstaltungen, einmal den Ökumene-Kreis mit den Germanicumsleuten und zum andern das Ökumene-Seminar mit den Freisemestern, unter Leitung von Monsignore Türk. Na jedenfalls ging es an dem Abend um so Einheitsmodelle, also wie man sich gesamtkirchliche Einheit vorstellen kann, und im Anschluss in lockerer Runde wurden noch Verschwörungstheorien besprochen, wofür Rom ja in jedem Falle unzählige Anlässe bietet. Dies betrifft zB die Weissagung eines gewissen Malachias, der also alle Namen der Päpste vorausgesagt hat (freilich in einigermaßen kryptischer Weise) und natürlich ist gemäß dieser Prophezeiung der amtierende Papst der letzte, dementsprechend steht das Weltende kurz bevor.
Mit der Weihnachtsfeier in der facoltà Valdese verabschiedeten sich dann die letzten in den Urlaub, während Pierre und ich hier in Rom blieben und unsere Besuche "betreuten". Dies war in meinem Fall die ganze Familie, also Eltern, Schwester, Bruder. Zusammen sind wir dann durch Rom und haben fantastische Restaurants ausprobiert, abends dann sind wir in die katholisch-deutsche Nationalkirche Santa Maria dell'anima, die neu angemalt wurde (innen) und deshalb sehr schön bunt und klar erstrahlt. Leider wurden die aus Deutschland angelieferten Tannenbäume offenbar beim Zwischenlager im Vatikan "entliehen", so dass man sich mit einer kleineren Variante abfinden musste.
Ansonsten erkundeten wir Trastevere, und besonders die Via Appia. Zwar mussten wir uns erst am Flughafen von Ciampino und einigen Autobahnkreuzen vorbeikämpfen, doch die Wanderung auf der Via Appia Antica hatte sich dann sehr gelohnt und wirkte wie zu Goethes Zeiten, mit Bäumchen und Schäfchen, Ruinen und Inschriften liegen halt einfach am Wegesrand rum (weil man eh zuviel davon hat) und so weiter - sehr romantisch. So kamen wir dann zu den Katakomben von San Sebastiano, und hatten da eine kurze Führung drin.
Am nächsten Tag gingen wir (ich zum zweiten Mal) nach Ostia Antica, und bei fantastischem Wetter schritten wir durch die Ruinenstadt, in der es viel zu entdecken gibt: Thermen, Diana-Heiligtümer, und vor allem: eine Stille, die man in Rom manchmal vermisst. Schließlich gingen wir am 28. dann in die Villa Borghese und dort erwartete uns der unverhoffte Höhepunkt der gemeinsamen Zeit: Die fantastischen Werke Berninis, mit einer unglaublichen Dynamik, allen voran "Apollo und Daphne" und "David". Die Körperdrehung, der Ausdruck der Gesichter, die eingefangene Bewegung sind wahrlich überwältigend. - Inzwischen waren meine Geschwister bereits zurückgeflogen und auch meine Eltern machten sich nun wieder auf den Weg in die Heimat.
Pierre hatte unterdessen Besuch von seinem Zwillingsbruder und seinem Cousin, und gemeinsam mit Adrian, der an der Deutschen Schule FSJ macht und auch schon wieder da war, und einigen anderen, feierten wir dann Silvester mit entsprechenden Trinkspielen (ähem) und einem Besuch beim Kolosseum, wo ein sehr schönes Feuerwerk abgebrannt wurde. Danach bin ich müde nach Hause getorkelt.
Das Neue Jahr hob sich dann ganz still an und ich genoss für einige Tage einfach die Ruhe, bevor die ersten Leute wieder eintrudelten. Unter anderem hatte sich nun endlich die Gelegenheit ergeben, Lukas in seinem Domizil zu besuchen, der ja als erster aus unserem "Heim" in der Via Aurelia ausgezogen war. So lerne ich auch immer wieder neue Ecken des urbanen Rom kennen, und auch den italienischen Fußball, ich glaub da haben AS Rom und Turin gespielt an dem Abend (bin kein Experte).
Zusammen mit Lukas und Pierre und seinen Leuten war ich dann noch ein drittes Mal in Ostia Antica und wieder war fantastisches Wetter, als ob der Ort etwas verzaubert ist - denn ansonsten regnet es im Dezember und auch jetzt im Januar ganz gern mal. Einen richtigen Winter kann man das aber als Deutscher nicht nennen, es ist wie ein langer Herbst, und das ist wirklich schön, vor allem wenn ich an den letzten Berliner Winter denke, der schon recht heftig kalt war.
Na jedenfalls ging dann alsbald auch wieder die Uni los, zumindest für einige Wochen, weil inzwischen sind ja schon die ganz kurzen Semesterferien angebrochen. Die Italiener machen dann lieber in den Sommermonaten Juni bis September die großen Ferien, weil es dann aus Hitzegründen nicht sinnvoll ist, zu studieren. :)
In diesen Tagen überraschte mich dann noch ein verspätetes Paket von meinen Schweizer Freunden, mit schönen Büchern, Schokolade und einem Hello-Kitty-Schokofondue-Set-für-eine-Person, das ich natürlich sofort ausprobieren musste. :) Falls ihr das lest, vielen Dank nochmal an euch, ihr Lieben!
Vorletztes Wochenende besuchte ich dann zwei Ausstellungen, einmal die Augustus-Ausstellung, die aus vielen Ländern Augustus-Büsten und -Zeugnisse etc. zusammengesammelt hatte, und zum andern die Ausstellung "Tesoro di Napoli", Schatz von Napoli, wo man unwahrscheinlich glitzernde Juwelen anschauen konnte, in die man sich regelrecht verliert, wenn man sie zu lang anstarrt. Auch den staatlichen Quirinalspalast besuchten wir noch gemeinsam am Sonntagmorgen.
In den folgenden Tagen fing ich dann langsam an, mein Referat im Ökumene-Seminar zu planen, zum Thema: Leuenberg, Meissen und Porvoo. Dabei handelt es sich um so ökumenische Bündnisse, die nach dem Ort ihrer Verabschiedung benannt wurden. Die Leuenberger Konkordie hat es erlaubt, dass Reformierte und Lutheraner sich Abendmahlsgemeinschaft gewähren und dadurch überhaupt erst eine gemeinsame "Evangelische" Identität geschaffen. Aber ich war erst die Woche drauf dran. Zwischendurch hatten wir noch eine Ökumene-Kreis und eine Ökumene-Seminar-Sitzung, die dann vielleicht ein bisschen viel "Ökumene" auf einmal waren: die altbekannte Abendmahlsfrage zwischen Katholiken und Protestanten wurde behandelt, und auch einiges zum katholischen Kirchenverständnis. Ehrlich gesagt habe ich durch derlei Diskussionen hier in Rom nochmal stärker als in Jerusalem sehr viele Gründe herausgefunden, warum ich evangelisch bin, und das auch gut so ist... aber wahrscheinlich geht es der anderen Seite genauso.
Am Wochenende hatten wir dann ein Blockseminar mit Hrn. Wallraff aus Basel, der uns wieder (außer seinem Buch zu Luthers Rom) einige spannende Führungen spendierte, insbesondere durch den Lateran und seine Geschichte als älteste öffentliche Kirche der Welt, die erwähnte Santa Maria sopra Minerva und die Kirche "Il Gesù". Auch zu letzterer noch eine Berichtigung, ich hatte mal irgendwann von der Kirche San Ignatio geschrieben und einem lustigen Bild, was man herunterfahren kann - dies befindet sich aber in Il Gesù, beides sind Ignatius-zentrierte Jesuitenkirchen und so habe ich es verwechselt. :) Jedenfalls findet dort jeden Abend eine "interessante" Show statt, die man eher in einem japanischen Vergnügungspark erwarten würde: es ist dunkel und einzelne Teile der Kirche werden angestrahlt, eine bedeutungsschwangere Stimme aus der Dose spricht in himmlischer Verzückung, bevor schließlich unter dem Gemälde eine über und über mit Juwelen besetzte Ignatius-Statue enthüllt wurde. In beiden Jesuitenkirchen finden sich übrigens zu Boden getretene Bücher der Reformatoren, die also durch das Werk des Hl. Ignatius in triumphalistischer Weise überwunden wurden. (Ignatius hatte den Jesuitenorden gegründet, der dann zur stärksten Kraft der sog. Gegenreformation wurde). Santa Maria sopra Minerva indes ist eine Dominikanerkirche und eine der wenigen mittelalterlichen Kirchen. Damals wurde hier nämlich nix gebaut, da Rom in der Zeit vll so groß wie Tübingen war, und nicht viel los. Also ein sehr erfreulich gotischer Ort, der ein bisschen den kunsthistorischen Nord-Süd-Gegensatz vergessen macht.
Am nächsten Tag schritten wir unter einem märchenhaften vollen Regenborgen in die Kirche Santa Maria del popolo, und danach in San Agostino. Die zwei Orte verbindet, dass sie beide jeweils einen Caravaggio (ein Maler) zu bieten haben und dass beide in Frage kommen für Luthers Domizil während seines Rom-Aufenthalts (vermutlich 1511). Am Abend fand die Woche einen Abschluss im ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche, der sehr schön war (auch wegen des Chors) und die Gebetswoche-für-die-Einheit-der-Christen eröffnete.
Die nächsten Tage verbrachte ich damit, mein anstehendes, bereits erwähntes, Referat vorzubereiten (bzw. mich davor zu drücken). Am Donnerstag schließlich war es dann soweit und ist glaub auch ganz gut gelaufen. Zur Feier des Tages war ich hinterher noch Bierchen trinken und begegnete auf dem Heimweg einer seltsamen Frau, die mir eine halbe Stunde von der Madonna von Medugorje (ein Wallfahrtsort in Bosnien) vorschwärmte - jedenfalls eine bereichernde Begegnung...!
Und damit mit Ökumene noch nicht genug, denn heute habe ich dank Hrn. Türk ne Spezialkarte für die Papstvesper in S Paolo fuori le mura und werde Francesco also endlich mal zu Gesicht bekommen! Ich bin sehr gespannt.
Euch allen noch ein Frohes Neues nachträglich und liebe Grüße,
Euer Jakob
PS Noch ein paar Bilder
Santa Maria sopra Minerva
Güldener Ignatius
Und der Regenbogen
Jakob in Rom | Giacobbe a Roma
Samstag, 25. Januar 2014
Montag, 9. Dezember 2013
Sant'Agnese, St. Paul's, San Giovanni
...sind die drei Stationen, die so den letzten Monat bestimmt haben. Denn das letze Mal hatte ich noch von der Wohnung bei Sant'Agnese berichtet, aber inzwischen bin ich wieder umgezogen in das Viertel San Giovanni. Das hat vor allem mit meinem nervigen Vermieter zu tun. Außerdem ist die neue Bude ein kleiner Traum... deshalb werd ich jetzt auch dort bleiben. Schön, die Wohnungssuche mal hinter sich zu haben!
Zunächst stand Anfang November noch ein Vortrag bei unseren Freunden vom Germanicum an von dem FAZ-Menschen Jörg Bremer, der in sehr gekonnter Rhetorik recht vernichtende Urteile über die italienische Politik aussprach, die aber auch sehr nachvollziehbar waren, und in seinem Ausdruck "rastloser Stillstand" zusammenfassbar sind - auf der Bühne der italienischen Politik scheint zwar ständig etwas zu passieren, aber es verändert sich eigentlich nie irgendetwas. - Auch eine Woche später durften wir wieder im Germanicum zu Gast sein, zur konstituierenden Sitzung unseres Ökumene-Kreises. Hinterher gab es einen schönen Abend in der Bier-Stube, mit einem ganzen Koffer (!!!) voller Lindt-Schokolade. Großartig!
St. Paul's ist deshalb wichtig, weil ich dort seit einigen Wochen jeden Sonntag zum Abendkonzert gehe, das immer etwas anderes zu bieten hat: Blasmusik, Orgel, Chor usw. Dort lernte ich auch Maurizio kennen, einen amerikanischen Opernsänger, der fließend Italienisch spricht, und mein Tandem-Partner geworden ist.
Zwischendurch war ich mit Pierre zu einem Vortrag im Antonianum, der Franziskaner-Uni in der Via Merulana, der vor allem durch die Gestaltung des Raumes herausstach. Der Vortragsraum hatte nämlich einen kleinen Fetzen Gotik zu bieten, nach denen ich in Rom immer suche. An der Wand ist ein großes eschatologisches Gemälde zu sehen, in einem golden gerahmten Spitzbogen. Naja, schwer zu beschreiben, aber jedenfalls schön. Das andere, wohl wichtigste Stückchen Gotik wäre der Baldachin im Lateran, der durch das tiefe Blau über den beiden Aposteln Peter und Paul heraussticht und einfach wunderschön ist. - Ansonsten gibt es noch die Neogotik-Kirchen wie die erwähnte Kirche St. Paul's within the Walls (anglikanisch), und Sacro Cuore beim Justizpalast, welche letztere ich aber leider noch nicht von innen gesehen habe.
Da mein Vermieter und Mitbewohner sich durch kleinliche Ordnung und fehlende Hygiene zum Problem machte und mir bei Beschwerden drohte, er hätte ja noch andere, die das Zimmer wollten, meinte ich, ja, dann würde ich auch lieber gehen. Zusammen mit meinem Leidensgenossen Max hat es mich nun in eine kleine luxuriöse Villa verschlagen, die nahe San Giovanni in Laterano liegt, und wenig mehr als die alte Bude kostet - wären da nicht die Agenturkosten gewesen, also eine Monatsmiete obendrauf. Trotzdem muss ich zugeben, dass es sich gelohnt hat. Leider ist das Internet noch nicht installiert, sodass ich jetzt in meinem Lieblingscafe direkt beim Lateran sitze, wo man mir schon ohne Aufforderung meinen Cafe Latte bringt, da ich eh jeden Morgen hier sitze. Auf dem Nachhauseweg gehe ich fast jeden Tag durch San Giovanni in Laterano, diese Kirche habe ich sehr ins Herz geschlossen - anders als die meisten Kirchen in Rom ist sie trotz Formenreichtum nicht überfrachtet und verbindet auf glanzvolle Weise Romanik (uraltes Mosaik), Klassizismus, dezenten Barock und eben Gotik. Laut Inschrift ist sie schließlich auch die wichtigste Kirche der Welt: omnium ecclesiarum mater et caput, "aller Kirchen Mutter und Haupt"; weil sie die eigentliche Bischofskirche von Rom ist. (Während der Petersdom "nur" eine Memorialkirche ist.)
Ansonsten habe ich die ganze letzte Woche mit Maurizio verbracht, um Italienisch zu lernen, denn er ist gestern schon wieder aufgebrochen nach New York, und wird erst im Januar zurückkehren. Nebenbei waren wir noch in Ostia Antica, das sich sehr eignet, um mal vom lauten Rom Urlaub zu machen: grüne Wiesen, von goldener Dezembersonne beschienen, erwarten einen, dazu Ruinen und Statuen überall - sehr schön. Überhaupt ist das Wetter nach dem regnerischen November wieder sehr angenehm geworden :)
Gestern gab es dann wieder Musik in St Paul's, ein Stück über den Hl. Nikolaus von Benjamin Britten. Damit euch allen nachträglich einen schönen Nikolaus und alles Gute zum Zweiten Advent!
Viele Grüße und bis bald!
Zunächst stand Anfang November noch ein Vortrag bei unseren Freunden vom Germanicum an von dem FAZ-Menschen Jörg Bremer, der in sehr gekonnter Rhetorik recht vernichtende Urteile über die italienische Politik aussprach, die aber auch sehr nachvollziehbar waren, und in seinem Ausdruck "rastloser Stillstand" zusammenfassbar sind - auf der Bühne der italienischen Politik scheint zwar ständig etwas zu passieren, aber es verändert sich eigentlich nie irgendetwas. - Auch eine Woche später durften wir wieder im Germanicum zu Gast sein, zur konstituierenden Sitzung unseres Ökumene-Kreises. Hinterher gab es einen schönen Abend in der Bier-Stube, mit einem ganzen Koffer (!!!) voller Lindt-Schokolade. Großartig!
St. Paul's ist deshalb wichtig, weil ich dort seit einigen Wochen jeden Sonntag zum Abendkonzert gehe, das immer etwas anderes zu bieten hat: Blasmusik, Orgel, Chor usw. Dort lernte ich auch Maurizio kennen, einen amerikanischen Opernsänger, der fließend Italienisch spricht, und mein Tandem-Partner geworden ist.
Zwischendurch war ich mit Pierre zu einem Vortrag im Antonianum, der Franziskaner-Uni in der Via Merulana, der vor allem durch die Gestaltung des Raumes herausstach. Der Vortragsraum hatte nämlich einen kleinen Fetzen Gotik zu bieten, nach denen ich in Rom immer suche. An der Wand ist ein großes eschatologisches Gemälde zu sehen, in einem golden gerahmten Spitzbogen. Naja, schwer zu beschreiben, aber jedenfalls schön. Das andere, wohl wichtigste Stückchen Gotik wäre der Baldachin im Lateran, der durch das tiefe Blau über den beiden Aposteln Peter und Paul heraussticht und einfach wunderschön ist. - Ansonsten gibt es noch die Neogotik-Kirchen wie die erwähnte Kirche St. Paul's within the Walls (anglikanisch), und Sacro Cuore beim Justizpalast, welche letztere ich aber leider noch nicht von innen gesehen habe.
Da mein Vermieter und Mitbewohner sich durch kleinliche Ordnung und fehlende Hygiene zum Problem machte und mir bei Beschwerden drohte, er hätte ja noch andere, die das Zimmer wollten, meinte ich, ja, dann würde ich auch lieber gehen. Zusammen mit meinem Leidensgenossen Max hat es mich nun in eine kleine luxuriöse Villa verschlagen, die nahe San Giovanni in Laterano liegt, und wenig mehr als die alte Bude kostet - wären da nicht die Agenturkosten gewesen, also eine Monatsmiete obendrauf. Trotzdem muss ich zugeben, dass es sich gelohnt hat. Leider ist das Internet noch nicht installiert, sodass ich jetzt in meinem Lieblingscafe direkt beim Lateran sitze, wo man mir schon ohne Aufforderung meinen Cafe Latte bringt, da ich eh jeden Morgen hier sitze. Auf dem Nachhauseweg gehe ich fast jeden Tag durch San Giovanni in Laterano, diese Kirche habe ich sehr ins Herz geschlossen - anders als die meisten Kirchen in Rom ist sie trotz Formenreichtum nicht überfrachtet und verbindet auf glanzvolle Weise Romanik (uraltes Mosaik), Klassizismus, dezenten Barock und eben Gotik. Laut Inschrift ist sie schließlich auch die wichtigste Kirche der Welt: omnium ecclesiarum mater et caput, "aller Kirchen Mutter und Haupt"; weil sie die eigentliche Bischofskirche von Rom ist. (Während der Petersdom "nur" eine Memorialkirche ist.)
Ansonsten habe ich die ganze letzte Woche mit Maurizio verbracht, um Italienisch zu lernen, denn er ist gestern schon wieder aufgebrochen nach New York, und wird erst im Januar zurückkehren. Nebenbei waren wir noch in Ostia Antica, das sich sehr eignet, um mal vom lauten Rom Urlaub zu machen: grüne Wiesen, von goldener Dezembersonne beschienen, erwarten einen, dazu Ruinen und Statuen überall - sehr schön. Überhaupt ist das Wetter nach dem regnerischen November wieder sehr angenehm geworden :)
Gestern gab es dann wieder Musik in St Paul's, ein Stück über den Hl. Nikolaus von Benjamin Britten. Damit euch allen nachträglich einen schönen Nikolaus und alles Gute zum Zweiten Advent!
Viele Grüße und bis bald!
Kreuzgang im Lateran:
Dienstag, 5. November 2013
Di San Martino a Torino
Diesmal habe ich von einigen Abenteuern quer durch Italien zu berichten.
Los gings am 26. Oktober mit Herrn Wallraff und den Leuten vom Germanicum. Herr Wallraff ist der eigentliche geistige Gründungsvater des Centro Melantone und auch heute noch im wissenschaftlichen Beirat tätig, eigentlich aber Professor in Basel, vor allem aber ein sehr kompetenter Reiseleiter und Erklärbär, dessen Ausführungen ich schon letztes Jahr im Sommerkurs lauschen durfte. Das Germanicum indes ist sozusagen das katholische Pendant zum Centro Melantone, nur sehr viel älter als letzteres, welches ja erst 2001 startete. Während des Jahres hier in Rom werden wir immer mal wieder etwas gemeinsam unternehmen oder diskutieren.
Diesmal gings also in einige Flecken nördlich von Rom entlang der antiken Via Cassia, die auch eine bedeutende Pilgerroute war, und darum auch der Weg der zwei bedeutendsten Gestalten der Reformationszeit: einerseits Martin Luther, der in dem Örtchen Roncilione Halt machte, und andererseits Ignatius von Loyola, dem Gründer der Jesuiten und Vorkämpfer der katholischen (Gegen-)Reform, der in dem römischen Vorort La Storta eine Vision hatte - zwei Pilger mit sehr unterschiedlicher Zukunft. Darüberhinaus sahen wir noch eine urische, in den Fels gehauene kleine Kirche in Sutri und vor allem das schöne, auf einem Hügel gelegene Dorf San Martino, wo gerade ein sog. Kastanienfest zugange war, dem ich ein Glas Kastanienhonig verdanke, das wirklich extrem köstlich ist. Ansonsten gabs dort aber eine Zisterzienserkirche und den Palast der einflussreichen Frau Pamphili zu sehen, die ob dieses Einflusses irgendwann aus Rom verbannt wurde. Am wunderschönen Lago di Vico vorbei ging es zur letzten Station, einer alten Pilgerkirche, die inzwischen auf Privatgelände steht, aber von uns besucht werden konnte, namens St. Eusebius, wo wir zum Abschluss eine Andacht hielten, bevor wir uns wieder auf den Weg zurück nach Rom machten.
Letzten Mittwoch war dann neben der ersten Sitzung für griechische Lektüre (also die direkte Übersetzungsrichtung Griechisch-Italienisch) am Marianum ein Festakt zum Anfang des neuen akademischen Jahres, wenn auch etwas verspätet. Dazu kam eigens ein Kardinal, der die Andacht hielt, und wie beim Symposium vor einigen Wochen gab es wieder einen kleinen musikalischen Auftritt, diesmal mit Geige und Harfe.
Dann am Donnerstag gings auf unsere erste größere Exkursion in die Waldensertäler. Dazu waren wir (neun plus Studienleiter) den ganzen Tag mit Bahn und Bus unterwegs, nur um dann buchstäblich eiskalt erwischt zu werden, denn wir befanden uns nördlich von Turin, halb in den Alpen, im Piemont, wo richtiger Herbst und entsprechende Temperaturen herrschten. (In Rom nach wie vor mild.) Zur Vorbereitung bekamen wir alle ein seltsames Buch namens "Geschichte der Waldenser" in die Hand gedrückt, dass etwas ideologisch eingefärbt erschien. Durch Zufall entdeckten wir (Pierre, Lukas, ich), dass der Autor im Nachbarort am selben Tag einen Vortrag hielt, und fuhren mit dem Taxi dahin. Der merkwürdige Schreiber des Buches erwies sich als ein lebhafter 83jähriger Herr, der mit viel Passione eine Ansprache für sein neuestes Werk hielt, und offenbar schon seit vielen Jahren eine kontroverse, aber wichtige intellektuelle Figur der Waldenser ist.
Am nächsten Tag schauten wir uns mit Führung eine Art Heimatmuseum an, und bekamen nochmal die Geschichte der Waldenser im Überblick erzählt, die durch viele Verfolgungen geprägt ist, und daher auch zuweilen eine gewisse kämpferische Tonart anschlägt, so im Versammlungssaal in Torre Pellice, wo in großen Lettern an der Wand beschworen wird, bis zum letzten Blutstropfen den Glauben zu verteidigen - aus dem Jahre 1939. Heutzutage dagegen haben die Waldenser viele stille Unterstützer außerhalb der eigentlichen Gemeinden, da sie sich stark für soziale Projekte engagieren, insbesondere den Einwanderern und sozial Schwachen gegenüber. - Dann ging es etwas die Berge hoch, wo wir eine Höhle und eine alte Schule besuchten, die etwa so groß wie mein Zimmer war. Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wurden hier die Kinder in den Bergdörfern unterrichtet - und waren damit bildungstechnisch besser gestellt als viele andere in Italien.
Am Samstag verbrachten wir einen recht tristen Tag in Turin, wo wir uns die Kirche, wo das berühmte Grabtuch liegt, und einen Palazzo mit großer Waffenkammer anschauten, ansonsten quoll der Palast von eitlem Prunk nur so über. Immerhin war Turin auch für vier Jahre Hauptstadt von Italien, bevor Vittore Emmanuele II sie nach Rom verlegte. Sonntag Morgen gab es einen sehr schönen kleinen Gottesdienst in der alten Kirche von Torre Pellice, wo wir ein paar Einheimische sprechen konnten, und danach warteten wir unter leichtem Nieseln im herbstlichen Dorf auf den Bus zurück nach Rom. Nach der langen Fahrt waren dann auch alle froh, in ihre Betten zu fallen - für Pierre und mich die letzte Nacht in der Via Aurelia Antica.
Denn gestern sind wir also schließlich, unter viel Geschleppe von unserm Zeugs, umgezogen und haben uns eingerichtet, Pierre nahe Termini, ich hier oben nahe Piazza Bologna, mit meinem Vermieter Freddy, dem Jurastudenten Max (der noch für November bleibt), Vasco (dem Hund), und zwei Schildkröten, die ich nachts in die Badewanne retten musste, weil sie draußen auf der Terrasse ersoffen wären - es gab einen ziemlichen Regenschauer.
Joa, alles in allem werde ich mich jetzt erstmal hier einleben, und mich dann demnächst wieder melden. Addio!
Los gings am 26. Oktober mit Herrn Wallraff und den Leuten vom Germanicum. Herr Wallraff ist der eigentliche geistige Gründungsvater des Centro Melantone und auch heute noch im wissenschaftlichen Beirat tätig, eigentlich aber Professor in Basel, vor allem aber ein sehr kompetenter Reiseleiter und Erklärbär, dessen Ausführungen ich schon letztes Jahr im Sommerkurs lauschen durfte. Das Germanicum indes ist sozusagen das katholische Pendant zum Centro Melantone, nur sehr viel älter als letzteres, welches ja erst 2001 startete. Während des Jahres hier in Rom werden wir immer mal wieder etwas gemeinsam unternehmen oder diskutieren.
Diesmal gings also in einige Flecken nördlich von Rom entlang der antiken Via Cassia, die auch eine bedeutende Pilgerroute war, und darum auch der Weg der zwei bedeutendsten Gestalten der Reformationszeit: einerseits Martin Luther, der in dem Örtchen Roncilione Halt machte, und andererseits Ignatius von Loyola, dem Gründer der Jesuiten und Vorkämpfer der katholischen (Gegen-)Reform, der in dem römischen Vorort La Storta eine Vision hatte - zwei Pilger mit sehr unterschiedlicher Zukunft. Darüberhinaus sahen wir noch eine urische, in den Fels gehauene kleine Kirche in Sutri und vor allem das schöne, auf einem Hügel gelegene Dorf San Martino, wo gerade ein sog. Kastanienfest zugange war, dem ich ein Glas Kastanienhonig verdanke, das wirklich extrem köstlich ist. Ansonsten gabs dort aber eine Zisterzienserkirche und den Palast der einflussreichen Frau Pamphili zu sehen, die ob dieses Einflusses irgendwann aus Rom verbannt wurde. Am wunderschönen Lago di Vico vorbei ging es zur letzten Station, einer alten Pilgerkirche, die inzwischen auf Privatgelände steht, aber von uns besucht werden konnte, namens St. Eusebius, wo wir zum Abschluss eine Andacht hielten, bevor wir uns wieder auf den Weg zurück nach Rom machten.
Letzten Mittwoch war dann neben der ersten Sitzung für griechische Lektüre (also die direkte Übersetzungsrichtung Griechisch-Italienisch) am Marianum ein Festakt zum Anfang des neuen akademischen Jahres, wenn auch etwas verspätet. Dazu kam eigens ein Kardinal, der die Andacht hielt, und wie beim Symposium vor einigen Wochen gab es wieder einen kleinen musikalischen Auftritt, diesmal mit Geige und Harfe.
Dann am Donnerstag gings auf unsere erste größere Exkursion in die Waldensertäler. Dazu waren wir (neun plus Studienleiter) den ganzen Tag mit Bahn und Bus unterwegs, nur um dann buchstäblich eiskalt erwischt zu werden, denn wir befanden uns nördlich von Turin, halb in den Alpen, im Piemont, wo richtiger Herbst und entsprechende Temperaturen herrschten. (In Rom nach wie vor mild.) Zur Vorbereitung bekamen wir alle ein seltsames Buch namens "Geschichte der Waldenser" in die Hand gedrückt, dass etwas ideologisch eingefärbt erschien. Durch Zufall entdeckten wir (Pierre, Lukas, ich), dass der Autor im Nachbarort am selben Tag einen Vortrag hielt, und fuhren mit dem Taxi dahin. Der merkwürdige Schreiber des Buches erwies sich als ein lebhafter 83jähriger Herr, der mit viel Passione eine Ansprache für sein neuestes Werk hielt, und offenbar schon seit vielen Jahren eine kontroverse, aber wichtige intellektuelle Figur der Waldenser ist.
Am nächsten Tag schauten wir uns mit Führung eine Art Heimatmuseum an, und bekamen nochmal die Geschichte der Waldenser im Überblick erzählt, die durch viele Verfolgungen geprägt ist, und daher auch zuweilen eine gewisse kämpferische Tonart anschlägt, so im Versammlungssaal in Torre Pellice, wo in großen Lettern an der Wand beschworen wird, bis zum letzten Blutstropfen den Glauben zu verteidigen - aus dem Jahre 1939. Heutzutage dagegen haben die Waldenser viele stille Unterstützer außerhalb der eigentlichen Gemeinden, da sie sich stark für soziale Projekte engagieren, insbesondere den Einwanderern und sozial Schwachen gegenüber. - Dann ging es etwas die Berge hoch, wo wir eine Höhle und eine alte Schule besuchten, die etwa so groß wie mein Zimmer war. Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wurden hier die Kinder in den Bergdörfern unterrichtet - und waren damit bildungstechnisch besser gestellt als viele andere in Italien.
Am Samstag verbrachten wir einen recht tristen Tag in Turin, wo wir uns die Kirche, wo das berühmte Grabtuch liegt, und einen Palazzo mit großer Waffenkammer anschauten, ansonsten quoll der Palast von eitlem Prunk nur so über. Immerhin war Turin auch für vier Jahre Hauptstadt von Italien, bevor Vittore Emmanuele II sie nach Rom verlegte. Sonntag Morgen gab es einen sehr schönen kleinen Gottesdienst in der alten Kirche von Torre Pellice, wo wir ein paar Einheimische sprechen konnten, und danach warteten wir unter leichtem Nieseln im herbstlichen Dorf auf den Bus zurück nach Rom. Nach der langen Fahrt waren dann auch alle froh, in ihre Betten zu fallen - für Pierre und mich die letzte Nacht in der Via Aurelia Antica.
Denn gestern sind wir also schließlich, unter viel Geschleppe von unserm Zeugs, umgezogen und haben uns eingerichtet, Pierre nahe Termini, ich hier oben nahe Piazza Bologna, mit meinem Vermieter Freddy, dem Jurastudenten Max (der noch für November bleibt), Vasco (dem Hund), und zwei Schildkröten, die ich nachts in die Badewanne retten musste, weil sie draußen auf der Terrasse ersoffen wären - es gab einen ziemlichen Regenschauer.
Joa, alles in allem werde ich mich jetzt erstmal hier einleben, und mich dann demnächst wieder melden. Addio!
Freitag, 25. Oktober 2013
Maria in ogni luogo
Die letzten Wochen waren vor allem von zwei Dingen geprägt: ersten Studienanfängen und der Wohnungssuche. Zunächst lernte ich mit meinem Kommilitonen Pierre noch das Antonianum kennen, was wiederum die Fakultät der Franziskaner ist, wo ich vielleicht nächstes Semester studieren werde. Ansonsten war ich fleißig mit meinen Mariologie-Studien beschäftigt, während ich mir den unablässigen Spott über eben diese Beschäftigung gefallen lassen muss, was ich mit stoischer Haltung zur Kenntnis nehme (jedenfalls versuche ich das). :)
Aaalso... Mariologie dreht sich zunächst mal um das Faktum, dass Maria, entgegen dem protestantischen (wenn auch berechtigten) Reduktionismus, in jeder anderen Form von Christentum eine herausragende Rolle in der Frömmigkeit und Dogmatik spielt, und darüber hinaus auch im Islam verehrt wird, also sowohl enorme ökumenische als auch interreligiöse Relevanz hat. Ob man mit Maria als religiöser Figur selbst etwas anfangen kann, ist dabei völlig zweitrangig. Vielmehr geht es darum, zu fragen, wie die Maria, von der einige Stellen des Neuen Testamentes berichten, mit der Maria des Glaubens der verschiedenen Kirchen zusammenhängt, eine Frage, die (genauso wie bei Jesus Christus) sehr zentral ist. Weiterhin beschäftigt sich die Mariologie auch mit der Frage, was Maria als Symbol im Kontext der Kunstgeschichte, des Feminismus (pro und contra) und der Postmoderne für eine Rolle spielt (also kulturgeschichtliche Aspekte des Marienbildes). - Soviel dazu.
Weiterhin fanden etliche sogenannte Inaugurationen statt, also wo das akademische Jahr feierlich eröffnet wird. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit aber meistens um extrem einschläfernde Vorträge, während denen man beobachten kann, wie sich eigentlich fast alle (mich selbst eingeschlossen) nur nach dem anschließenden Buffet sehnen, welches daher auch jedesmal mit größter Zufriedenheit genossen wird. - Ansonsten ist der Besuch einiger römischer Vorlesungen nicht sonderlich einfach, da die im Internet genannten Termine oftmals Phantasie-Zeiten sind, die mithilfe von Aushängen vor Ort korrigiert werden, und dementsprechend etwas Geduld abfordern... Trotzdem ist es mir gelungen, einige Veranstaltungen auch an der Hauptuniversität La Sapienza zu besuchen, an der philosophischen Fakultät.
Weiterhin habe ich einer Bekanntschaft aus dem Marianum, dem vielgelehrten Arzt Pierluigi (kann Goethes An den Mond aus dem Gedächtnis zitieren), meinen ersten Ausflug in die Umgegend Roms zu verdanken, indem wir (zusammen mit Pierre und einer Freundin von Pierluigi) in das idyllische Dörfchen Nerola fuhren, das auf einem kleinen Hügel liegt. Dort genossen wir einen wunderbaren Nachtausblick und sehr gutes örtliches Essen! Pierluigi hat einige Zeit in München gelebt, und unsere Gespräche sind daher immer eine Art Tandem-Lernen, was für mich sehr nützlich ist.
Ansonsten war ich mit der Wohnungssuche beschäftigt. Nach vielem Rumsuchen und Telefonieren in den letzten zwei Monaten bin ich nun auf meinen künftigen italienischen Vermieter und Mitbewohner Freddy gestoßen. Bei der Wohnungsbesichtigung nahe Termini war ich noch sehr skeptisch, da dies doch ein ziemliches Loch war, aber jetzt nahe Piazza Bologna ist es perfekt - sehr urban, gut angebunden, und eine sehr helle Wohnung. Zudem werde ich nicht nur mit Freddy, sondern auch mit dessen Hund Vasco zusammenwohnen, der nach Freddys Angaben perfekt deutsch spricht, was ich bisher noch nicht verifizieren konnte. Außerdem wurde mir für gelegentliches Gassi-Gehen Mieterlass in Aussicht gestellt - trotz meiner bisherigen, allseits bekannten Zugehörigkeit zur Partei der Katzenmenschen schien dies auch mir "una buona cosa", eine gute Sache. - Im Eingangsbereich der Wohnung steht selbstverständlich eine geweihte Marienstatue (um ungebetene Gäste fernzuhalten). :)
Liebe Grüße, Euer Jakob
Aaalso... Mariologie dreht sich zunächst mal um das Faktum, dass Maria, entgegen dem protestantischen (wenn auch berechtigten) Reduktionismus, in jeder anderen Form von Christentum eine herausragende Rolle in der Frömmigkeit und Dogmatik spielt, und darüber hinaus auch im Islam verehrt wird, also sowohl enorme ökumenische als auch interreligiöse Relevanz hat. Ob man mit Maria als religiöser Figur selbst etwas anfangen kann, ist dabei völlig zweitrangig. Vielmehr geht es darum, zu fragen, wie die Maria, von der einige Stellen des Neuen Testamentes berichten, mit der Maria des Glaubens der verschiedenen Kirchen zusammenhängt, eine Frage, die (genauso wie bei Jesus Christus) sehr zentral ist. Weiterhin beschäftigt sich die Mariologie auch mit der Frage, was Maria als Symbol im Kontext der Kunstgeschichte, des Feminismus (pro und contra) und der Postmoderne für eine Rolle spielt (also kulturgeschichtliche Aspekte des Marienbildes). - Soviel dazu.
Weiterhin fanden etliche sogenannte Inaugurationen statt, also wo das akademische Jahr feierlich eröffnet wird. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit aber meistens um extrem einschläfernde Vorträge, während denen man beobachten kann, wie sich eigentlich fast alle (mich selbst eingeschlossen) nur nach dem anschließenden Buffet sehnen, welches daher auch jedesmal mit größter Zufriedenheit genossen wird. - Ansonsten ist der Besuch einiger römischer Vorlesungen nicht sonderlich einfach, da die im Internet genannten Termine oftmals Phantasie-Zeiten sind, die mithilfe von Aushängen vor Ort korrigiert werden, und dementsprechend etwas Geduld abfordern... Trotzdem ist es mir gelungen, einige Veranstaltungen auch an der Hauptuniversität La Sapienza zu besuchen, an der philosophischen Fakultät.
Weiterhin habe ich einer Bekanntschaft aus dem Marianum, dem vielgelehrten Arzt Pierluigi (kann Goethes An den Mond aus dem Gedächtnis zitieren), meinen ersten Ausflug in die Umgegend Roms zu verdanken, indem wir (zusammen mit Pierre und einer Freundin von Pierluigi) in das idyllische Dörfchen Nerola fuhren, das auf einem kleinen Hügel liegt. Dort genossen wir einen wunderbaren Nachtausblick und sehr gutes örtliches Essen! Pierluigi hat einige Zeit in München gelebt, und unsere Gespräche sind daher immer eine Art Tandem-Lernen, was für mich sehr nützlich ist.
Ansonsten war ich mit der Wohnungssuche beschäftigt. Nach vielem Rumsuchen und Telefonieren in den letzten zwei Monaten bin ich nun auf meinen künftigen italienischen Vermieter und Mitbewohner Freddy gestoßen. Bei der Wohnungsbesichtigung nahe Termini war ich noch sehr skeptisch, da dies doch ein ziemliches Loch war, aber jetzt nahe Piazza Bologna ist es perfekt - sehr urban, gut angebunden, und eine sehr helle Wohnung. Zudem werde ich nicht nur mit Freddy, sondern auch mit dessen Hund Vasco zusammenwohnen, der nach Freddys Angaben perfekt deutsch spricht, was ich bisher noch nicht verifizieren konnte. Außerdem wurde mir für gelegentliches Gassi-Gehen Mieterlass in Aussicht gestellt - trotz meiner bisherigen, allseits bekannten Zugehörigkeit zur Partei der Katzenmenschen schien dies auch mir "una buona cosa", eine gute Sache. - Im Eingangsbereich der Wohnung steht selbstverständlich eine geweihte Marienstatue (um ungebetene Gäste fernzuhalten). :)
Liebe Grüße, Euer Jakob
Dienstag, 8. Oktober 2013
Vom Marianum zur Gregoriana und zurück
Moin!
Inzwischen ist es also entschieden, an welchen Fakultäten ich studieren werde! Und dies war leichter gesagt als getan.
Zunächst hatten wir im September die Sprachschule beendet - Pierre und ich unter anderem mit einem abendlichen Fußballspiel mit einigen Ex-Schülern der Sprachschule. Zwar habe ich auf dem Spielfeld wie üblich so viel Schaden wie Nutzen angerichtet, aber spaßig war's auf jeden Fall. Außerdem lernten wir endlich unseren derzeitigen Studienleiter, Herr Küenzlen aus BaWü, kennen.
Auf jeden Fall konnten wir uns nun endlich ans Eingemachte machen, und für mich war inzwischen klar, wenn ich schon mal in Rom bin, will ich auch was richtig Katholisches studieren - Mariologie. Mariologie behandelt, wie der Name vermuten lässt, die Lehre von Maria, also welche Rolle spielt sie in der Bibel und in der Dogmatik, wie verlief die Geschichte der Marienverehrung, und vor allem: was hat uns (Protestanten?) diese Figur zu sagen. Das mag einigen etwas abstrus erscheinen, aber andererseits bin ich ja bekannt dafür, mich für abstruse Dinge zu interessieren (wie das Protoevangelium Jacobi, das Apocryphon Johannis oder die Sprüche des Ahiqar)...
Lirum larum, dazu jedenfalls gehe ich an das Marianum, eine Hochschule des Servitenordens (also Servi Mariae - Diener Marias), und werde für ein Jahr jeden Mittwoch Nachmittag etwas darüber erfahren, was es mit Maria so auf sich hat (und euch auf dem Laufenden halten). Die Einschreibung, jetzt achtgeben, dauerte etwa 3 Minuten.
Bei der Gregoriana dagegen dauerte die Einschreibung 3 Tage. - Die Gregoriana ist im Vergleich zu dem eher kleinen Laden des Marianums eine der bedeutendsten theologischen Hochschulen weltweit. Um diesem Status zu entsprechen, haben sie sich offenbar einen endlos aufgeblähten Verwaltungsapparat zugelegt, der mit Sicherheit noch abstruser ist als Mariologie. Tatsächlich mussten wir also am Montag ca. 5 Stunden warten, nur um überhaupt zu erfahren, WIE man sich einschreibt, weil man dabei nämlich an ca 5 Stellen vorbeimuss, die über das Unigebäude weitläufig verteilt sind, und zwar in einer ganz bestimmten Reihenfolge, von a zu b zu c wieder zu b und so weiter. Am hilfreichsten war dabei Frau Fuchs, die an der ersten Stelle saß, im Hauptgebäude rechts hoch, geradeaus, dann rechts, über die kleine Brücke, links, dann fünf Stockwerke hoch, durch die Tür, dann die erste Tür rechts (die übrigen Wegbeschreibungen lasse ich aus Platzgründen mal weg). Da natürlich nicht alle Stellen gleichzeitige Anwesenheits- und Öffnungszeiten haben, mussten wir bis Mittwoch warten, damit die richtige Zeitenkonstellation eintritt, um die sagenhafte Einschreibung vollenden zu können. Leider brauchte man dafür noch 20 verschiedene Dokumente und Mittwoch war zugleich der letztmögliche Einschreibungstag - wer Sachen nachreichen muss, kann gleich nochmal Geld oben drauf zahlen. Aber letzten Endes haben wir uns am Mittwoch durchgekämpft, wurden von einer Stelle zur andern weggeschickt, mussten die richtige Reihenfolge wiederfinden, bekamen die Tür zur Mittagspause vor der Nase zugeschlagen und durften bei einer unwirschen Person schließlich unsere Studiengebühren abliefern - achja. Trotz alledem! Wir studieren jetzt an der GREGORIANA! Das war's doch wert.
Die Gregoriana ist übrigens die Hochschule der Jesuiten. Gestern (Montag) gab es auch einen Einführungsgottesdienst für das neue Semester in der Kirche S Ignazio (der Gründer des Jesuitenordens), die für ihre (äußerst) gegenreformatorische Kunst bekannt ist - außer der großen Marmorstatue des Hl. Ignatius, der die personifizierte Ketzerei (mit Büchern von Luther und Calvin) in den Boden tritt, gibt es aber auch Special Effects: so zB eine nichtexistente Kuppel, die mithilfe von klassischer 3D-Malerei von innen an die Decke gezeichnet wurde, oder ein Altarbild, das heruntergefahren werden kann, um dahinter eine Statue zu enthüllen und vieles mehr.
Von der Gregoriana ging es dann direkt zum Marianum zurück, wo mittlerweile ein Symposium lief zum Thema: Zusammenhang der liturgischen Reform nach dem II Vaticanum mit marianischen Strömungen. Viele der Vorträge waren sehr spannend, was ich zum Teil jedoch nur den ausgeteilten, von mir mühsam übersetzten Skripts entnehmen konnte, da mein Italienisch noch längst nicht flüssig genug ist - aber das Training zählt.
Nach dieser ersten Woche Uni-Stress und -Spaß brauchten wir natürlich eine Verschnaufpause - und was wäre dafür besser geeignet als der PitStop?
"Der PitStop ist zurzeit mit Sicherheit das angesagteste Lokal unserer näheren Umgebung." In Wirklichkeit handelt es sich aber um einen notdürftig halb auf den Fußweg gebauten Verschlag, in dem allerlei Alkoholika feilgeboten werden, in trübem Dämmerlicht, direkt an der Straße. Andererseits ist diese abgeranzte Stimmung und die unermüdlich laufenden Radio-Hits (genauso unermüdlich wie die Öffnungszeiten oder die Bedienung) von einem unwiderstehlichen Reiz - ständig kommen Leute vorbei und alles hat irgendwie einen urbanen Flair... ;)
Naja, so weit erstmal.
Übrigens regnet es draußen (und das seit Tagen) unablässig und sturzbachartig! Ihr braucht also nicht mehr ganz so neidisch zu sein :D Wobei Regen natürlich auch etwas sehr Schönes sein kann.
LG Jakob
Inzwischen ist es also entschieden, an welchen Fakultäten ich studieren werde! Und dies war leichter gesagt als getan.
Zunächst hatten wir im September die Sprachschule beendet - Pierre und ich unter anderem mit einem abendlichen Fußballspiel mit einigen Ex-Schülern der Sprachschule. Zwar habe ich auf dem Spielfeld wie üblich so viel Schaden wie Nutzen angerichtet, aber spaßig war's auf jeden Fall. Außerdem lernten wir endlich unseren derzeitigen Studienleiter, Herr Küenzlen aus BaWü, kennen.
Auf jeden Fall konnten wir uns nun endlich ans Eingemachte machen, und für mich war inzwischen klar, wenn ich schon mal in Rom bin, will ich auch was richtig Katholisches studieren - Mariologie. Mariologie behandelt, wie der Name vermuten lässt, die Lehre von Maria, also welche Rolle spielt sie in der Bibel und in der Dogmatik, wie verlief die Geschichte der Marienverehrung, und vor allem: was hat uns (Protestanten?) diese Figur zu sagen. Das mag einigen etwas abstrus erscheinen, aber andererseits bin ich ja bekannt dafür, mich für abstruse Dinge zu interessieren (wie das Protoevangelium Jacobi, das Apocryphon Johannis oder die Sprüche des Ahiqar)...
Lirum larum, dazu jedenfalls gehe ich an das Marianum, eine Hochschule des Servitenordens (also Servi Mariae - Diener Marias), und werde für ein Jahr jeden Mittwoch Nachmittag etwas darüber erfahren, was es mit Maria so auf sich hat (und euch auf dem Laufenden halten). Die Einschreibung, jetzt achtgeben, dauerte etwa 3 Minuten.
Bei der Gregoriana dagegen dauerte die Einschreibung 3 Tage. - Die Gregoriana ist im Vergleich zu dem eher kleinen Laden des Marianums eine der bedeutendsten theologischen Hochschulen weltweit. Um diesem Status zu entsprechen, haben sie sich offenbar einen endlos aufgeblähten Verwaltungsapparat zugelegt, der mit Sicherheit noch abstruser ist als Mariologie. Tatsächlich mussten wir also am Montag ca. 5 Stunden warten, nur um überhaupt zu erfahren, WIE man sich einschreibt, weil man dabei nämlich an ca 5 Stellen vorbeimuss, die über das Unigebäude weitläufig verteilt sind, und zwar in einer ganz bestimmten Reihenfolge, von a zu b zu c wieder zu b und so weiter. Am hilfreichsten war dabei Frau Fuchs, die an der ersten Stelle saß, im Hauptgebäude rechts hoch, geradeaus, dann rechts, über die kleine Brücke, links, dann fünf Stockwerke hoch, durch die Tür, dann die erste Tür rechts (die übrigen Wegbeschreibungen lasse ich aus Platzgründen mal weg). Da natürlich nicht alle Stellen gleichzeitige Anwesenheits- und Öffnungszeiten haben, mussten wir bis Mittwoch warten, damit die richtige Zeitenkonstellation eintritt, um die sagenhafte Einschreibung vollenden zu können. Leider brauchte man dafür noch 20 verschiedene Dokumente und Mittwoch war zugleich der letztmögliche Einschreibungstag - wer Sachen nachreichen muss, kann gleich nochmal Geld oben drauf zahlen. Aber letzten Endes haben wir uns am Mittwoch durchgekämpft, wurden von einer Stelle zur andern weggeschickt, mussten die richtige Reihenfolge wiederfinden, bekamen die Tür zur Mittagspause vor der Nase zugeschlagen und durften bei einer unwirschen Person schließlich unsere Studiengebühren abliefern - achja. Trotz alledem! Wir studieren jetzt an der GREGORIANA! Das war's doch wert.
Die Gregoriana ist übrigens die Hochschule der Jesuiten. Gestern (Montag) gab es auch einen Einführungsgottesdienst für das neue Semester in der Kirche S Ignazio (der Gründer des Jesuitenordens), die für ihre (äußerst) gegenreformatorische Kunst bekannt ist - außer der großen Marmorstatue des Hl. Ignatius, der die personifizierte Ketzerei (mit Büchern von Luther und Calvin) in den Boden tritt, gibt es aber auch Special Effects: so zB eine nichtexistente Kuppel, die mithilfe von klassischer 3D-Malerei von innen an die Decke gezeichnet wurde, oder ein Altarbild, das heruntergefahren werden kann, um dahinter eine Statue zu enthüllen und vieles mehr.
Von der Gregoriana ging es dann direkt zum Marianum zurück, wo mittlerweile ein Symposium lief zum Thema: Zusammenhang der liturgischen Reform nach dem II Vaticanum mit marianischen Strömungen. Viele der Vorträge waren sehr spannend, was ich zum Teil jedoch nur den ausgeteilten, von mir mühsam übersetzten Skripts entnehmen konnte, da mein Italienisch noch längst nicht flüssig genug ist - aber das Training zählt.
Nach dieser ersten Woche Uni-Stress und -Spaß brauchten wir natürlich eine Verschnaufpause - und was wäre dafür besser geeignet als der PitStop?
"Der PitStop ist zurzeit mit Sicherheit das angesagteste Lokal unserer näheren Umgebung." In Wirklichkeit handelt es sich aber um einen notdürftig halb auf den Fußweg gebauten Verschlag, in dem allerlei Alkoholika feilgeboten werden, in trübem Dämmerlicht, direkt an der Straße. Andererseits ist diese abgeranzte Stimmung und die unermüdlich laufenden Radio-Hits (genauso unermüdlich wie die Öffnungszeiten oder die Bedienung) von einem unwiderstehlichen Reiz - ständig kommen Leute vorbei und alles hat irgendwie einen urbanen Flair... ;)
Naja, so weit erstmal.
Übrigens regnet es draußen (und das seit Tagen) unablässig und sturzbachartig! Ihr braucht also nicht mehr ganz so neidisch zu sein :D Wobei Regen natürlich auch etwas sehr Schönes sein kann.
LG Jakob
Montag, 23. September 2013
Römischer Abend
Hallo allerseits!
Seit gut drei Wochen bin ich nun in Rom, und es ist schon einiges passiert.
Erstmal grundlegende Informationen zur Lage. :)
Ich nehme hier in Rom (mit acht weiteren Leuten) an einem Programm teil, das sich Centro Melantone (Melanchthon-Zentrum) nennt, bei dem man die Möglichkeit hat, an verschiedenen (insgesamt 16) Fakultäten in Rom zu studieren. Die Stammfakultät ist dabei die Facoltà Valdese, also die Fakultät der Waldenser. Was sind das für Typen? Die Waldenser sind eine präreformatorische Gruppe, also eine Gruppe, die sich vor Luthers Zeiten von Rom abgespalten hat und sich später der allgemeinen Reformationsbewegung angeschlossen hat. (Entstanden sind sie in einigen Tälern nahe Frankreich.) An welchen anderen Fakultäten ich genau studieren werde, liegt in meiner freien Wahl, steht im Moment aber noch nicht fest...
Wohnen tue ich im Moment in der Gegend von Aurelia, wo es zwar schön, aber auch etwas außerhalb ist, zudem eine Art deutsche Insel (mit deutscher Schule und dem Deutschen Historischen Institut), daher überlege ich, im Laufe der Zeit noch umzuziehen, aber dazu mehr, sobald es soweit ist.
Man merkt bereits, dass alles noch einigermaßen Vorlauf-Charakter hat!
Im Moment besuche ich in der letzten, vierten, Woche die Sprachschule. Die Grammatik fällt mir nach den Sprachen, die wir im Studium durchexerzierten, nicht mehr sonderlich schwer, aber das Sprechen dafür sehr viel mehr, denn das mussten wir bei Altgriechisch eher selten üben... Aber es fühlt sich gut an, endlich auch eine lebende Sprache zu lernen, aber es ist noch ein ordentlicher Weg, bis ich sie wirklich beherrschen werde.
Sight-seeing habe ich bereits vor einigen Jahren mit meinen Eltern und vor einem Jahr beim Sommerkurs des Centro Melantone gemacht, und kann mich also gleich auf die Details stürzen :) und die Stadt auch in abgelegeneren Gegenden erkunden. Besonders interessant ist dabei natürlich das Studentenviertel S Lorenzo, wo es viele Bars und Clubs gibt, es herrscht so ein bisschen Kreuzberg-Stimmung. Überhaupt musste ich mich zu Beginn anstrengen, nicht gleich alles mit Berlin zu vergleichen, das ich im letzten Jahr doch sehr ins Herz schloss. Dies betrifft zB die Metro (also U-Bahn), die nur zwei Linien aufzuweisen hat und dementsprechend meist vollgestopft ist (aber schwer zu ersetzen ist). Dies liegt nicht an dem Bauwillen der hiesigen Verkehrsbetriebe, sondern schlicht an der Geschichte der Stadt. Denn jedesmal, wenn ein kleiner Streckenabschnitt der zukünftigen Linien C und D gebaut wird, finden die Archäologen natürlich sofort etwas Neues, das erst gründlich (also jahrelang) untersucht werden muss. Als Tourist hatte ich dafür mehr Verständnis als als zusammengefalteter Fahrgast...
Aber zu Fuß entdeckt man eh mehr. Heute war ich zum Beispiel mal wieder nach der Lektion an der Schule allein auf Erkundungstour. Dabei bin ich in Trastevere gelandet, wo ich eigentlich zum Marianum wollte, auch eine katholische Fakultät, die aber gerade zu hatten... Also bin ich weiter den Berg hoch und zufällig auf die Fontana dell' Acqua Paola gestoßen, ein großer Brunnen, von dem aus man einen fantastischen Überblick über Rom genießen kann. Dort beginnt übrigens auch der verrückte und sehenswerte Film La Grande Bellezza, welchen ich hier auf Italienisch sah, wobei ich das Kino einigermaßen frustriert verließ, da ich trotz meiner bisherigen Kenntnisse sehr wenig verstanden habe... aber im Alltag schlage ich mich schon ganz gut durch. Na jedenfalls bin ich dann weiter am Garibaldi-Monument und dem Teresianum (offenbar Kloster und Schule) vorbei, durch den riesigen und wunderschönen Park der Villa Doria Pamphili zurück in mein Domizil (auch wenn ich mich zwischendurch ständig verlaufen habe). - So unterwegs findet man dann seine kleinen Lieblingsorte, manchmal im größten Trubel. So zB die Kirche S Silvestro, auf die man in einer Nebenstraße der Via del Corso stößt. Die Via del Corso ist die riesenlange Einkaufsmeile zwischen Piazza del Popolo und jenem riesigen Denkmal für den einstigen Nationalhelden Vittorio Emmanuele (von den Römern ziemlich passend "die Schreibmaschine" genannt). Aus dem Trubel und der Hitze der Via del Corso in eine stille, kühle Kirche zu kommen, ist echt eine Erholung!
Apropos Hitze - in Rom ist der Sommer für uns auf jeden Fall mindestens einen Monat verlängert worden - den ganzen September herrschten hier 30 Grad bei ununterbrochenen Sonnenschein (außer nachts natürlich), mit einer einzigen Unterbrechung, wo es einen Sonntag lang geregnet hat. Tja, man gönnt sich ja sonst nichts.
Liebe Grüße,
euer Jakob
Seit gut drei Wochen bin ich nun in Rom, und es ist schon einiges passiert.
Erstmal grundlegende Informationen zur Lage. :)
Ich nehme hier in Rom (mit acht weiteren Leuten) an einem Programm teil, das sich Centro Melantone (Melanchthon-Zentrum) nennt, bei dem man die Möglichkeit hat, an verschiedenen (insgesamt 16) Fakultäten in Rom zu studieren. Die Stammfakultät ist dabei die Facoltà Valdese, also die Fakultät der Waldenser. Was sind das für Typen? Die Waldenser sind eine präreformatorische Gruppe, also eine Gruppe, die sich vor Luthers Zeiten von Rom abgespalten hat und sich später der allgemeinen Reformationsbewegung angeschlossen hat. (Entstanden sind sie in einigen Tälern nahe Frankreich.) An welchen anderen Fakultäten ich genau studieren werde, liegt in meiner freien Wahl, steht im Moment aber noch nicht fest...
Wohnen tue ich im Moment in der Gegend von Aurelia, wo es zwar schön, aber auch etwas außerhalb ist, zudem eine Art deutsche Insel (mit deutscher Schule und dem Deutschen Historischen Institut), daher überlege ich, im Laufe der Zeit noch umzuziehen, aber dazu mehr, sobald es soweit ist.
Man merkt bereits, dass alles noch einigermaßen Vorlauf-Charakter hat!
Im Moment besuche ich in der letzten, vierten, Woche die Sprachschule. Die Grammatik fällt mir nach den Sprachen, die wir im Studium durchexerzierten, nicht mehr sonderlich schwer, aber das Sprechen dafür sehr viel mehr, denn das mussten wir bei Altgriechisch eher selten üben... Aber es fühlt sich gut an, endlich auch eine lebende Sprache zu lernen, aber es ist noch ein ordentlicher Weg, bis ich sie wirklich beherrschen werde.
Sight-seeing habe ich bereits vor einigen Jahren mit meinen Eltern und vor einem Jahr beim Sommerkurs des Centro Melantone gemacht, und kann mich also gleich auf die Details stürzen :) und die Stadt auch in abgelegeneren Gegenden erkunden. Besonders interessant ist dabei natürlich das Studentenviertel S Lorenzo, wo es viele Bars und Clubs gibt, es herrscht so ein bisschen Kreuzberg-Stimmung. Überhaupt musste ich mich zu Beginn anstrengen, nicht gleich alles mit Berlin zu vergleichen, das ich im letzten Jahr doch sehr ins Herz schloss. Dies betrifft zB die Metro (also U-Bahn), die nur zwei Linien aufzuweisen hat und dementsprechend meist vollgestopft ist (aber schwer zu ersetzen ist). Dies liegt nicht an dem Bauwillen der hiesigen Verkehrsbetriebe, sondern schlicht an der Geschichte der Stadt. Denn jedesmal, wenn ein kleiner Streckenabschnitt der zukünftigen Linien C und D gebaut wird, finden die Archäologen natürlich sofort etwas Neues, das erst gründlich (also jahrelang) untersucht werden muss. Als Tourist hatte ich dafür mehr Verständnis als als zusammengefalteter Fahrgast...
Aber zu Fuß entdeckt man eh mehr. Heute war ich zum Beispiel mal wieder nach der Lektion an der Schule allein auf Erkundungstour. Dabei bin ich in Trastevere gelandet, wo ich eigentlich zum Marianum wollte, auch eine katholische Fakultät, die aber gerade zu hatten... Also bin ich weiter den Berg hoch und zufällig auf die Fontana dell' Acqua Paola gestoßen, ein großer Brunnen, von dem aus man einen fantastischen Überblick über Rom genießen kann. Dort beginnt übrigens auch der verrückte und sehenswerte Film La Grande Bellezza, welchen ich hier auf Italienisch sah, wobei ich das Kino einigermaßen frustriert verließ, da ich trotz meiner bisherigen Kenntnisse sehr wenig verstanden habe... aber im Alltag schlage ich mich schon ganz gut durch. Na jedenfalls bin ich dann weiter am Garibaldi-Monument und dem Teresianum (offenbar Kloster und Schule) vorbei, durch den riesigen und wunderschönen Park der Villa Doria Pamphili zurück in mein Domizil (auch wenn ich mich zwischendurch ständig verlaufen habe). - So unterwegs findet man dann seine kleinen Lieblingsorte, manchmal im größten Trubel. So zB die Kirche S Silvestro, auf die man in einer Nebenstraße der Via del Corso stößt. Die Via del Corso ist die riesenlange Einkaufsmeile zwischen Piazza del Popolo und jenem riesigen Denkmal für den einstigen Nationalhelden Vittorio Emmanuele (von den Römern ziemlich passend "die Schreibmaschine" genannt). Aus dem Trubel und der Hitze der Via del Corso in eine stille, kühle Kirche zu kommen, ist echt eine Erholung!
Apropos Hitze - in Rom ist der Sommer für uns auf jeden Fall mindestens einen Monat verlängert worden - den ganzen September herrschten hier 30 Grad bei ununterbrochenen Sonnenschein (außer nachts natürlich), mit einer einzigen Unterbrechung, wo es einen Sonntag lang geregnet hat. Tja, man gönnt sich ja sonst nichts.
Liebe Grüße,
euer Jakob
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