Die letzten Wochen waren vor allem von zwei Dingen geprägt: ersten Studienanfängen und der Wohnungssuche. Zunächst lernte ich mit meinem Kommilitonen Pierre noch das Antonianum kennen, was wiederum die Fakultät der Franziskaner ist, wo ich vielleicht nächstes Semester studieren werde. Ansonsten war ich fleißig mit meinen Mariologie-Studien beschäftigt, während ich mir den unablässigen Spott über eben diese Beschäftigung gefallen lassen muss, was ich mit stoischer Haltung zur Kenntnis nehme (jedenfalls versuche ich das). :)
Aaalso... Mariologie dreht sich zunächst mal um das Faktum, dass Maria, entgegen dem protestantischen (wenn auch berechtigten) Reduktionismus, in jeder anderen Form von Christentum eine herausragende Rolle in der Frömmigkeit und Dogmatik spielt, und darüber hinaus auch im Islam verehrt wird, also sowohl enorme ökumenische als auch interreligiöse Relevanz hat. Ob man mit Maria als religiöser Figur selbst etwas anfangen kann, ist dabei völlig zweitrangig. Vielmehr geht es darum, zu fragen, wie die Maria, von der einige Stellen des Neuen Testamentes berichten, mit der Maria des Glaubens der verschiedenen Kirchen zusammenhängt, eine Frage, die (genauso wie bei Jesus Christus) sehr zentral ist. Weiterhin beschäftigt sich die Mariologie auch mit der Frage, was Maria als Symbol im Kontext der Kunstgeschichte, des Feminismus (pro und contra) und der Postmoderne für eine Rolle spielt (also kulturgeschichtliche Aspekte des Marienbildes). - Soviel dazu.
Weiterhin fanden etliche sogenannte Inaugurationen statt, also wo das akademische Jahr feierlich eröffnet wird. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit aber meistens um extrem einschläfernde Vorträge, während denen man beobachten kann, wie sich eigentlich fast alle (mich selbst eingeschlossen) nur nach dem anschließenden Buffet sehnen, welches daher auch jedesmal mit größter Zufriedenheit genossen wird. - Ansonsten ist der Besuch einiger römischer Vorlesungen nicht sonderlich einfach, da die im Internet genannten Termine oftmals Phantasie-Zeiten sind, die mithilfe von Aushängen vor Ort korrigiert werden, und dementsprechend etwas Geduld abfordern... Trotzdem ist es mir gelungen, einige Veranstaltungen auch an der Hauptuniversität La Sapienza zu besuchen, an der philosophischen Fakultät.
Weiterhin habe ich einer Bekanntschaft aus dem Marianum, dem vielgelehrten Arzt Pierluigi (kann Goethes An den Mond aus dem Gedächtnis zitieren), meinen ersten Ausflug in die Umgegend Roms zu verdanken, indem wir (zusammen mit Pierre und einer Freundin von Pierluigi) in das idyllische Dörfchen Nerola fuhren, das auf einem kleinen Hügel liegt. Dort genossen wir einen wunderbaren Nachtausblick und sehr gutes örtliches Essen! Pierluigi hat einige Zeit in München gelebt, und unsere Gespräche sind daher immer eine Art Tandem-Lernen, was für mich sehr nützlich ist.
Ansonsten war ich mit der Wohnungssuche beschäftigt. Nach vielem Rumsuchen und Telefonieren in den letzten zwei Monaten bin ich nun auf meinen künftigen italienischen Vermieter und Mitbewohner Freddy gestoßen. Bei der Wohnungsbesichtigung nahe Termini war ich noch sehr skeptisch, da dies doch ein ziemliches Loch war, aber jetzt nahe Piazza Bologna ist es perfekt - sehr urban, gut angebunden, und eine sehr helle Wohnung. Zudem werde ich nicht nur mit Freddy, sondern auch mit dessen Hund Vasco zusammenwohnen, der nach Freddys Angaben perfekt deutsch spricht, was ich bisher noch nicht verifizieren konnte. Außerdem wurde mir für gelegentliches Gassi-Gehen Mieterlass in Aussicht gestellt - trotz meiner bisherigen, allseits bekannten Zugehörigkeit zur Partei der Katzenmenschen schien dies auch mir "una buona cosa", eine gute Sache. - Im Eingangsbereich der Wohnung steht selbstverständlich eine geweihte Marienstatue (um ungebetene Gäste fernzuhalten). :)
Liebe Grüße, Euer Jakob
Freitag, 25. Oktober 2013
Dienstag, 8. Oktober 2013
Vom Marianum zur Gregoriana und zurück
Moin!
Inzwischen ist es also entschieden, an welchen Fakultäten ich studieren werde! Und dies war leichter gesagt als getan.
Zunächst hatten wir im September die Sprachschule beendet - Pierre und ich unter anderem mit einem abendlichen Fußballspiel mit einigen Ex-Schülern der Sprachschule. Zwar habe ich auf dem Spielfeld wie üblich so viel Schaden wie Nutzen angerichtet, aber spaßig war's auf jeden Fall. Außerdem lernten wir endlich unseren derzeitigen Studienleiter, Herr Küenzlen aus BaWü, kennen.
Auf jeden Fall konnten wir uns nun endlich ans Eingemachte machen, und für mich war inzwischen klar, wenn ich schon mal in Rom bin, will ich auch was richtig Katholisches studieren - Mariologie. Mariologie behandelt, wie der Name vermuten lässt, die Lehre von Maria, also welche Rolle spielt sie in der Bibel und in der Dogmatik, wie verlief die Geschichte der Marienverehrung, und vor allem: was hat uns (Protestanten?) diese Figur zu sagen. Das mag einigen etwas abstrus erscheinen, aber andererseits bin ich ja bekannt dafür, mich für abstruse Dinge zu interessieren (wie das Protoevangelium Jacobi, das Apocryphon Johannis oder die Sprüche des Ahiqar)...
Lirum larum, dazu jedenfalls gehe ich an das Marianum, eine Hochschule des Servitenordens (also Servi Mariae - Diener Marias), und werde für ein Jahr jeden Mittwoch Nachmittag etwas darüber erfahren, was es mit Maria so auf sich hat (und euch auf dem Laufenden halten). Die Einschreibung, jetzt achtgeben, dauerte etwa 3 Minuten.
Bei der Gregoriana dagegen dauerte die Einschreibung 3 Tage. - Die Gregoriana ist im Vergleich zu dem eher kleinen Laden des Marianums eine der bedeutendsten theologischen Hochschulen weltweit. Um diesem Status zu entsprechen, haben sie sich offenbar einen endlos aufgeblähten Verwaltungsapparat zugelegt, der mit Sicherheit noch abstruser ist als Mariologie. Tatsächlich mussten wir also am Montag ca. 5 Stunden warten, nur um überhaupt zu erfahren, WIE man sich einschreibt, weil man dabei nämlich an ca 5 Stellen vorbeimuss, die über das Unigebäude weitläufig verteilt sind, und zwar in einer ganz bestimmten Reihenfolge, von a zu b zu c wieder zu b und so weiter. Am hilfreichsten war dabei Frau Fuchs, die an der ersten Stelle saß, im Hauptgebäude rechts hoch, geradeaus, dann rechts, über die kleine Brücke, links, dann fünf Stockwerke hoch, durch die Tür, dann die erste Tür rechts (die übrigen Wegbeschreibungen lasse ich aus Platzgründen mal weg). Da natürlich nicht alle Stellen gleichzeitige Anwesenheits- und Öffnungszeiten haben, mussten wir bis Mittwoch warten, damit die richtige Zeitenkonstellation eintritt, um die sagenhafte Einschreibung vollenden zu können. Leider brauchte man dafür noch 20 verschiedene Dokumente und Mittwoch war zugleich der letztmögliche Einschreibungstag - wer Sachen nachreichen muss, kann gleich nochmal Geld oben drauf zahlen. Aber letzten Endes haben wir uns am Mittwoch durchgekämpft, wurden von einer Stelle zur andern weggeschickt, mussten die richtige Reihenfolge wiederfinden, bekamen die Tür zur Mittagspause vor der Nase zugeschlagen und durften bei einer unwirschen Person schließlich unsere Studiengebühren abliefern - achja. Trotz alledem! Wir studieren jetzt an der GREGORIANA! Das war's doch wert.
Die Gregoriana ist übrigens die Hochschule der Jesuiten. Gestern (Montag) gab es auch einen Einführungsgottesdienst für das neue Semester in der Kirche S Ignazio (der Gründer des Jesuitenordens), die für ihre (äußerst) gegenreformatorische Kunst bekannt ist - außer der großen Marmorstatue des Hl. Ignatius, der die personifizierte Ketzerei (mit Büchern von Luther und Calvin) in den Boden tritt, gibt es aber auch Special Effects: so zB eine nichtexistente Kuppel, die mithilfe von klassischer 3D-Malerei von innen an die Decke gezeichnet wurde, oder ein Altarbild, das heruntergefahren werden kann, um dahinter eine Statue zu enthüllen und vieles mehr.
Von der Gregoriana ging es dann direkt zum Marianum zurück, wo mittlerweile ein Symposium lief zum Thema: Zusammenhang der liturgischen Reform nach dem II Vaticanum mit marianischen Strömungen. Viele der Vorträge waren sehr spannend, was ich zum Teil jedoch nur den ausgeteilten, von mir mühsam übersetzten Skripts entnehmen konnte, da mein Italienisch noch längst nicht flüssig genug ist - aber das Training zählt.
Nach dieser ersten Woche Uni-Stress und -Spaß brauchten wir natürlich eine Verschnaufpause - und was wäre dafür besser geeignet als der PitStop?
"Der PitStop ist zurzeit mit Sicherheit das angesagteste Lokal unserer näheren Umgebung." In Wirklichkeit handelt es sich aber um einen notdürftig halb auf den Fußweg gebauten Verschlag, in dem allerlei Alkoholika feilgeboten werden, in trübem Dämmerlicht, direkt an der Straße. Andererseits ist diese abgeranzte Stimmung und die unermüdlich laufenden Radio-Hits (genauso unermüdlich wie die Öffnungszeiten oder die Bedienung) von einem unwiderstehlichen Reiz - ständig kommen Leute vorbei und alles hat irgendwie einen urbanen Flair... ;)
Naja, so weit erstmal.
Übrigens regnet es draußen (und das seit Tagen) unablässig und sturzbachartig! Ihr braucht also nicht mehr ganz so neidisch zu sein :D Wobei Regen natürlich auch etwas sehr Schönes sein kann.
LG Jakob
Inzwischen ist es also entschieden, an welchen Fakultäten ich studieren werde! Und dies war leichter gesagt als getan.
Zunächst hatten wir im September die Sprachschule beendet - Pierre und ich unter anderem mit einem abendlichen Fußballspiel mit einigen Ex-Schülern der Sprachschule. Zwar habe ich auf dem Spielfeld wie üblich so viel Schaden wie Nutzen angerichtet, aber spaßig war's auf jeden Fall. Außerdem lernten wir endlich unseren derzeitigen Studienleiter, Herr Küenzlen aus BaWü, kennen.
Auf jeden Fall konnten wir uns nun endlich ans Eingemachte machen, und für mich war inzwischen klar, wenn ich schon mal in Rom bin, will ich auch was richtig Katholisches studieren - Mariologie. Mariologie behandelt, wie der Name vermuten lässt, die Lehre von Maria, also welche Rolle spielt sie in der Bibel und in der Dogmatik, wie verlief die Geschichte der Marienverehrung, und vor allem: was hat uns (Protestanten?) diese Figur zu sagen. Das mag einigen etwas abstrus erscheinen, aber andererseits bin ich ja bekannt dafür, mich für abstruse Dinge zu interessieren (wie das Protoevangelium Jacobi, das Apocryphon Johannis oder die Sprüche des Ahiqar)...
Lirum larum, dazu jedenfalls gehe ich an das Marianum, eine Hochschule des Servitenordens (also Servi Mariae - Diener Marias), und werde für ein Jahr jeden Mittwoch Nachmittag etwas darüber erfahren, was es mit Maria so auf sich hat (und euch auf dem Laufenden halten). Die Einschreibung, jetzt achtgeben, dauerte etwa 3 Minuten.
Bei der Gregoriana dagegen dauerte die Einschreibung 3 Tage. - Die Gregoriana ist im Vergleich zu dem eher kleinen Laden des Marianums eine der bedeutendsten theologischen Hochschulen weltweit. Um diesem Status zu entsprechen, haben sie sich offenbar einen endlos aufgeblähten Verwaltungsapparat zugelegt, der mit Sicherheit noch abstruser ist als Mariologie. Tatsächlich mussten wir also am Montag ca. 5 Stunden warten, nur um überhaupt zu erfahren, WIE man sich einschreibt, weil man dabei nämlich an ca 5 Stellen vorbeimuss, die über das Unigebäude weitläufig verteilt sind, und zwar in einer ganz bestimmten Reihenfolge, von a zu b zu c wieder zu b und so weiter. Am hilfreichsten war dabei Frau Fuchs, die an der ersten Stelle saß, im Hauptgebäude rechts hoch, geradeaus, dann rechts, über die kleine Brücke, links, dann fünf Stockwerke hoch, durch die Tür, dann die erste Tür rechts (die übrigen Wegbeschreibungen lasse ich aus Platzgründen mal weg). Da natürlich nicht alle Stellen gleichzeitige Anwesenheits- und Öffnungszeiten haben, mussten wir bis Mittwoch warten, damit die richtige Zeitenkonstellation eintritt, um die sagenhafte Einschreibung vollenden zu können. Leider brauchte man dafür noch 20 verschiedene Dokumente und Mittwoch war zugleich der letztmögliche Einschreibungstag - wer Sachen nachreichen muss, kann gleich nochmal Geld oben drauf zahlen. Aber letzten Endes haben wir uns am Mittwoch durchgekämpft, wurden von einer Stelle zur andern weggeschickt, mussten die richtige Reihenfolge wiederfinden, bekamen die Tür zur Mittagspause vor der Nase zugeschlagen und durften bei einer unwirschen Person schließlich unsere Studiengebühren abliefern - achja. Trotz alledem! Wir studieren jetzt an der GREGORIANA! Das war's doch wert.
Die Gregoriana ist übrigens die Hochschule der Jesuiten. Gestern (Montag) gab es auch einen Einführungsgottesdienst für das neue Semester in der Kirche S Ignazio (der Gründer des Jesuitenordens), die für ihre (äußerst) gegenreformatorische Kunst bekannt ist - außer der großen Marmorstatue des Hl. Ignatius, der die personifizierte Ketzerei (mit Büchern von Luther und Calvin) in den Boden tritt, gibt es aber auch Special Effects: so zB eine nichtexistente Kuppel, die mithilfe von klassischer 3D-Malerei von innen an die Decke gezeichnet wurde, oder ein Altarbild, das heruntergefahren werden kann, um dahinter eine Statue zu enthüllen und vieles mehr.
Von der Gregoriana ging es dann direkt zum Marianum zurück, wo mittlerweile ein Symposium lief zum Thema: Zusammenhang der liturgischen Reform nach dem II Vaticanum mit marianischen Strömungen. Viele der Vorträge waren sehr spannend, was ich zum Teil jedoch nur den ausgeteilten, von mir mühsam übersetzten Skripts entnehmen konnte, da mein Italienisch noch längst nicht flüssig genug ist - aber das Training zählt.
Nach dieser ersten Woche Uni-Stress und -Spaß brauchten wir natürlich eine Verschnaufpause - und was wäre dafür besser geeignet als der PitStop?
"Der PitStop ist zurzeit mit Sicherheit das angesagteste Lokal unserer näheren Umgebung." In Wirklichkeit handelt es sich aber um einen notdürftig halb auf den Fußweg gebauten Verschlag, in dem allerlei Alkoholika feilgeboten werden, in trübem Dämmerlicht, direkt an der Straße. Andererseits ist diese abgeranzte Stimmung und die unermüdlich laufenden Radio-Hits (genauso unermüdlich wie die Öffnungszeiten oder die Bedienung) von einem unwiderstehlichen Reiz - ständig kommen Leute vorbei und alles hat irgendwie einen urbanen Flair... ;)
Naja, so weit erstmal.
Übrigens regnet es draußen (und das seit Tagen) unablässig und sturzbachartig! Ihr braucht also nicht mehr ganz so neidisch zu sein :D Wobei Regen natürlich auch etwas sehr Schönes sein kann.
LG Jakob
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