Freitag, 25. Oktober 2013

Maria in ogni luogo

Die letzten Wochen waren vor allem von zwei Dingen geprägt: ersten Studienanfängen und der Wohnungssuche. Zunächst lernte ich mit meinem Kommilitonen Pierre noch das Antonianum kennen, was wiederum die Fakultät der Franziskaner ist, wo ich vielleicht nächstes Semester studieren werde. Ansonsten war ich fleißig mit meinen Mariologie-Studien beschäftigt, während ich mir den unablässigen Spott über eben diese Beschäftigung gefallen lassen muss, was ich mit stoischer Haltung zur Kenntnis nehme (jedenfalls versuche ich das). :)
Aaalso... Mariologie dreht sich zunächst mal um das Faktum, dass Maria, entgegen dem protestantischen (wenn auch berechtigten) Reduktionismus, in jeder anderen Form von Christentum eine herausragende Rolle in der Frömmigkeit und Dogmatik spielt, und darüber hinaus auch im Islam verehrt wird, also sowohl enorme ökumenische als auch interreligiöse Relevanz hat. Ob man mit Maria als religiöser Figur selbst etwas anfangen kann, ist dabei völlig zweitrangig. Vielmehr geht es darum, zu fragen, wie die Maria, von der einige Stellen des Neuen Testamentes berichten, mit der Maria des Glaubens der verschiedenen Kirchen zusammenhängt, eine Frage, die (genauso wie bei Jesus Christus) sehr zentral ist. Weiterhin beschäftigt sich die Mariologie auch mit der Frage, was Maria als Symbol im Kontext der Kunstgeschichte, des Feminismus (pro und contra) und der Postmoderne für eine Rolle spielt (also kulturgeschichtliche Aspekte des Marienbildes). - Soviel  dazu.
Weiterhin fanden etliche sogenannte Inaugurationen statt, also wo das akademische Jahr feierlich eröffnet wird. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit aber meistens um extrem einschläfernde Vorträge, während denen man beobachten kann, wie sich eigentlich fast alle (mich selbst eingeschlossen) nur nach dem anschließenden Buffet sehnen, welches daher auch jedesmal mit größter Zufriedenheit genossen wird. - Ansonsten ist der Besuch einiger römischer Vorlesungen nicht sonderlich einfach, da die im Internet genannten Termine oftmals Phantasie-Zeiten sind, die mithilfe von Aushängen vor Ort korrigiert werden, und dementsprechend etwas Geduld abfordern... Trotzdem ist es mir gelungen, einige Veranstaltungen auch an der Hauptuniversität La Sapienza zu besuchen, an der philosophischen Fakultät.
Weiterhin habe ich einer Bekanntschaft aus dem Marianum, dem vielgelehrten Arzt Pierluigi (kann Goethes An den Mond aus dem Gedächtnis zitieren), meinen ersten Ausflug in die Umgegend Roms zu verdanken, indem wir (zusammen mit Pierre und einer Freundin von Pierluigi) in das idyllische Dörfchen Nerola fuhren, das auf einem kleinen Hügel liegt. Dort genossen wir einen wunderbaren Nachtausblick und sehr gutes örtliches Essen! Pierluigi hat einige Zeit in München gelebt, und unsere Gespräche sind daher immer eine Art Tandem-Lernen, was für mich sehr nützlich ist.
Ansonsten war ich mit der Wohnungssuche beschäftigt. Nach vielem Rumsuchen und Telefonieren in den letzten zwei Monaten bin ich nun auf meinen künftigen italienischen Vermieter und Mitbewohner Freddy gestoßen. Bei der Wohnungsbesichtigung nahe Termini war ich noch sehr skeptisch, da dies doch ein ziemliches Loch war, aber jetzt nahe Piazza Bologna ist es perfekt - sehr urban, gut angebunden, und eine sehr helle Wohnung. Zudem werde ich nicht nur mit Freddy, sondern auch mit dessen Hund Vasco zusammenwohnen, der nach Freddys Angaben perfekt deutsch spricht, was ich bisher noch nicht verifizieren konnte. Außerdem wurde mir für gelegentliches Gassi-Gehen Mieterlass in Aussicht gestellt - trotz meiner bisherigen, allseits bekannten Zugehörigkeit zur Partei der Katzenmenschen schien dies auch mir "una buona cosa", eine gute Sache. - Im Eingangsbereich der Wohnung steht selbstverständlich eine geweihte Marienstatue (um ungebetene Gäste fernzuhalten). :)
Liebe Grüße, Euer Jakob

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