Hallo allerseits!
Seit gut drei Wochen bin ich nun in Rom, und es ist schon einiges passiert.
Erstmal grundlegende Informationen zur Lage. :)
Ich nehme hier in Rom (mit acht weiteren Leuten) an einem Programm teil, das sich Centro Melantone (Melanchthon-Zentrum) nennt, bei dem man die Möglichkeit hat, an verschiedenen (insgesamt 16) Fakultäten in Rom zu studieren. Die Stammfakultät ist dabei die Facoltà Valdese, also die Fakultät der Waldenser. Was sind das für Typen? Die Waldenser sind eine präreformatorische Gruppe, also eine Gruppe, die sich vor Luthers Zeiten von Rom abgespalten hat und sich später der allgemeinen Reformationsbewegung angeschlossen hat. (Entstanden sind sie in einigen Tälern nahe Frankreich.) An welchen anderen Fakultäten ich genau studieren werde, liegt in meiner freien Wahl, steht im Moment aber noch nicht fest...
Wohnen tue ich im Moment in der Gegend von Aurelia, wo es zwar schön, aber auch etwas außerhalb ist, zudem eine Art deutsche Insel (mit deutscher Schule und dem Deutschen Historischen Institut), daher überlege ich, im Laufe der Zeit noch umzuziehen, aber dazu mehr, sobald es soweit ist.
Man merkt bereits, dass alles noch einigermaßen Vorlauf-Charakter hat!
Im Moment besuche ich in der letzten, vierten, Woche die Sprachschule. Die Grammatik fällt mir nach den Sprachen, die wir im Studium durchexerzierten, nicht mehr sonderlich schwer, aber das Sprechen dafür sehr viel mehr, denn das mussten wir bei Altgriechisch eher selten üben... Aber es fühlt sich gut an, endlich auch eine lebende Sprache zu lernen, aber es ist noch ein ordentlicher Weg, bis ich sie wirklich beherrschen werde.
Sight-seeing habe ich bereits vor einigen Jahren mit meinen Eltern und vor einem Jahr beim Sommerkurs des Centro Melantone gemacht, und kann mich also gleich auf die Details stürzen :) und die Stadt auch in abgelegeneren Gegenden erkunden. Besonders interessant ist dabei natürlich das Studentenviertel S Lorenzo, wo es viele Bars und Clubs gibt, es herrscht so ein bisschen Kreuzberg-Stimmung. Überhaupt musste ich mich zu Beginn anstrengen, nicht gleich alles mit Berlin zu vergleichen, das ich im letzten Jahr doch sehr ins Herz schloss. Dies betrifft zB die Metro (also U-Bahn), die nur zwei Linien aufzuweisen hat und dementsprechend meist vollgestopft ist (aber schwer zu ersetzen ist). Dies liegt nicht an dem Bauwillen der hiesigen Verkehrsbetriebe, sondern schlicht an der Geschichte der Stadt. Denn jedesmal, wenn ein kleiner Streckenabschnitt der zukünftigen Linien C und D gebaut wird, finden die Archäologen natürlich sofort etwas Neues, das erst gründlich (also jahrelang) untersucht werden muss. Als Tourist hatte ich dafür mehr Verständnis als als zusammengefalteter Fahrgast...
Aber zu Fuß entdeckt man eh mehr. Heute war ich zum Beispiel mal wieder nach der Lektion an der Schule allein auf Erkundungstour. Dabei bin ich in Trastevere gelandet, wo ich eigentlich zum Marianum wollte, auch eine katholische Fakultät, die aber gerade zu hatten... Also bin ich weiter den Berg hoch und zufällig auf die Fontana dell' Acqua Paola gestoßen, ein großer Brunnen, von dem aus man einen fantastischen Überblick über Rom genießen kann. Dort beginnt übrigens auch der verrückte und sehenswerte Film La Grande Bellezza, welchen ich hier auf Italienisch sah, wobei ich das Kino einigermaßen frustriert verließ, da ich trotz meiner bisherigen Kenntnisse sehr wenig verstanden habe... aber im Alltag schlage ich mich schon ganz gut durch. Na jedenfalls bin ich dann weiter am Garibaldi-Monument und dem Teresianum (offenbar Kloster und Schule) vorbei, durch den riesigen und wunderschönen Park der Villa Doria Pamphili zurück in mein Domizil (auch wenn ich mich zwischendurch ständig verlaufen habe). - So unterwegs findet man dann seine kleinen Lieblingsorte, manchmal im größten Trubel. So zB die Kirche S Silvestro, auf die man in einer Nebenstraße der Via del Corso stößt. Die Via del Corso ist die riesenlange Einkaufsmeile zwischen Piazza del Popolo und jenem riesigen Denkmal für den einstigen Nationalhelden Vittorio Emmanuele (von den Römern ziemlich passend "die Schreibmaschine" genannt). Aus dem Trubel und der Hitze der Via del Corso in eine stille, kühle Kirche zu kommen, ist echt eine Erholung!
Apropos Hitze - in Rom ist der Sommer für uns auf jeden Fall mindestens einen Monat verlängert worden - den ganzen September herrschten hier 30 Grad bei ununterbrochenen Sonnenschein (außer nachts natürlich), mit einer einzigen Unterbrechung, wo es einen Sonntag lang geregnet hat. Tja, man gönnt sich ja sonst nichts.
Liebe Grüße,
euer Jakob
Wunderbar - ich erinnere mich an den Spaziergang und die Mittagskanone, Onofrio, die Farnesina, und und und .... Grüße aus N. SK
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